Paria Canyon-Vermillion Cliffs Wilderness Tour 2008

 

Im letzten Jahr habe ich zusammen mit Anita und Hartmuth den Grand Canyon auf einer mehrtägigen Tour entdeckt. Seine Monumentalität sowie das wechselnde Klima mit entsprechender Pflanzenwelt haben unsere Wanderung geprägt. In diesem Jahr geht es wieder nach Arizona, genauer gesagt in den Norden bis zur Grenze nach Utah. Hier befindet sich die PARIA CANYON - VERMILLION CLIFFS WILDERNESS. Das hochgelegene Gebiet westlich von Page bietet einzigartige Naturschönheiten. In gleicher Besetzung wollen wir durch den Wire Pass, den Buckskin Gulch und den Paria River bis nach Lee's Ferry wandern. Es erwarten uns Slotcanyons, absolute Wildnis, schlammige Pools, Kletterpassagen, permanent nasse Füße und NO SERVICE, next 44 miles (70,8 km)!!!

 

 

Freitag, 25.April 2008

HAM-FRA-LAX

Mein Wecker klingelt 3:30 Uhr. Ich jedoch stehe zu dieser recht frühen Zeit schon gestriegelt und gebügelt da und warte das es endlich losgeht. Mit dem Taxi geht es kurz nach 4:00 Uhr zum Hamburger Flughafen. Dort ist am Lufthansa Checkin schon mächtig was los. Nachdem ich meine Bordkarten in der Hand halte begebe ich mich zur Kontrolle und weiter zum Abfluggate. Um 6.05 Uhr soll es mit LH 001 nach Frankfurt gehen. Daraus wird leider nicht's, denn der Flug wird, ohne weitere Einzelheiten zu nennen, gecancelt. Laut LH-Durchsage werden alle Passagiere auf die nächste Maschine um 7:10 Uhr nach FRA umgebucht. Bei einigen Reisenden liegen die Nerven blank, weil diese befürchten ihre Anschlußflüge zu verpassen. Ich fliege ja erst 10:00 Uhr nach Los Angeles weiter. Durchatmen!!!

Es war mal wieder die richtige Entscheidung 3 Stunden Umsteigezeit einzuplanen. Das Boarding beginnt kurz vor halb 10 und es scheint pünktlich loszugehen. Doch der Schein trügt. So ca. 5 bis 6 Reihen vor mir hat eine ältere Dame gesundheitliche Probleme. Nach einer halben Stunde und unzähligen Gesprächen mit der Crew, verlässt sie das Flugzeug. Aufgrund von Sitzplatzwechseldichspielchen lande ich auf einmal auf deren Platz. Konversation mit dem Ehemann ist nicht möglich,er ignoriert mich total. Ist ja auch eine schwierige Situation ohne bessere Hälfte. Und so kommt es wie es kommen mußte. Weitere 15 Minuten später steht er einfach auf und geht..... Mit einer Stunde Verspätung Starten wir Richtung USA. SCHALOM!

Die berechnete Flugzeit beträgt "nur" 11 Stunden. Der Service an Bord inkl. der Mahlzeiten ist sehr gut. Gegen 13:00 Uhr Ortszeit setzt die Boeing 747 in L.A. auf. Ein tolles Gefühl wieder in den Staaten zu sein. Die Einreiseprozedur zieht sich allerdings mächtig in die Länge. Zur gleichen Zeit ist auch ein Jumbo von Japan Airlines gelandet. Mich spült es in die vermeintlich kürzere Schlange der Asiaten. Hier geht es nur schleppend voran. Die Beamten müssen fast jedes Einreiseformular nacharbeiten. Nach einer gefühlten Stunde bin ich an der Reihe und werde nach einem kurzen Smalltalk abgefertigt. Mit dem Shuttlebus fahre ich zur Mietwagenfirma Alamo. Dort gibt es keinerlei Verzögerungen. Ruckzuck habe ich meinen Vertrag in der Hand, schnappe mir einen Jeep Grand Cherokee Laredo und stürze mich in den Großstadtdschungel.

Nach einer knappen halben Stunde Fahrzeit über den Lincoln Blvd. erreiche ich das Hostel California. Dort wartet Klaus(Owner) schon auf mich. Er sitzt bei strahlendem Sonnenschein auf der Terasse und hat wie immer alles im Griff. Nachdem ich meinen Private Room bezogen habe, gehen wir auf Mini Shopping Tour. In Culver City gibt es einen "Ed Hardy" Retail Store. Wir finden diesen Laden sogar. 4 T-Shirt's später bin ich bereits die ersten 200$ los( bei 50% off). Weiter geht die Fahrt zum Venice Beach, genauer zum Waterfront Café. Hier finden wir ein sonniges Plätzchen und ordern erstmal einen Pitcher of Erdinger(ÖÖÖRDINGER). Äußerst Lecker!!! Später am Abend begleite ich Klaus noch in einen deutschen Skatklub. Da ich kein Spieler bin wird es irgendwann langweilig. Außerdem bin ich total müde und verschwinde mit einem Taxi ins Hostel.

Gute Nacht!

 

Samstag, 26 April 2008

Nach 6 Stunden habe ich ausgeschlafen. Das Problem bei der Sache, es ist erst 03.00 Uhr morgens.

Hostel California

Das einzige was L.A. jetzt zu bieten hat, sind leere Freeways. Mit diesem Gedanken steige ich aus dem Bett. Nach kurzer Morgentoilette packe ich meine paar Sachen zusammen und rolle langsam los. Nach 10 Minuten erreiche ich die Auffahrt zur Interstate 10. Jetzt kann mir nichts mehr passieren, denke ich, denn diese Strecke bin ich schon 2-3mal gefahren. Leider habe ich die Rechnung ohne die Roadworker gemacht. Nach ein paar Meilen wird der Verkehr umgeleitet. Plötzlich bin ich nicht mehr auf der I 10, und habe keinen Copiloten der mir sagt wo es lang geht. Ich bemerke außerdem das ich meinen Roadatlas in Deutschland vergessen habe. Die Devise lautet: Nur nicht den Freeway verlassen!!! Ich habe keine Lust nachts in "Compton"(sozial. Glasscherbengebiet) zu landen. Meine Rettung ist der im Cockpit integrierte Kompass. Der zeigt permant "EAST", genau meine Richtung. Als ich irgendwann Pomona erreiche sinkt mein Puls. Bin die ganze Zeit südlich und fast parallel zum I 10 gefahren. Dann tauchen auch die Hinweisschilder I 15 North (Las Vegas bzw. Salt Lake City) auf, ich bin gerettet. Langsam verlasse ich den Großraum Los Angeles in Richtung Barstow. Dort angekommen frühstücke ich erst mal bei "Denny's".

Mein erstes Ziel für heute: "Mojave National Preserve"

In Baker verlasse ich den Highway, und biege auf die Kelbaker Road ein. In Kelso befindet sich ein kleines schmuckes Visitor Center.


Früher war hier ein Depot der Union Pacific Rail Road.

Mojave Dessert Die Wüste blüht.

 

Direkt an der Bahnlinie entlang folge ich der "Kelso Cima Road". Auf der Karte entdecke ich den "Hole-in-the-Wall-Trail" und entschließe mich kurzfristig zu einem Abstecher dorthin.  Ab jetzt wird es staubig.

 Außer mir sind noch Millionen von riesigen Insekten unterwegs.

Open Range!

 Gold Valley Ranch!

 Nach einigen Fotostopps komme ich am Information Center an. Ich erkundige mich nach dem "Hole in the Wall Trail".

Obwohl dieser nicht wirklich schwer ist, stellt sich bei mir keine Lust ein ihn zu entdecken. Nach einigen Bildern trete ich den Rückzug an.

 Zu entdecken gibt es allderdings einige idyllische Campsites.

Campen kommt aber heute noch nicht in Frage. Mein Plan ist es in Needles, Laughlin oder Bullhead City zu übernachten. Auf dem Weg dorthin begegnen mir tausende von Motorrädern. Im Radio bekomme ich mit, daß dieses Wochenende das größte Bike Festival des Westens stattfindet. Ich schmeiße alle Pläne über Bord. Hier ist nirgendwo ein Zimmer zu bekommen. Also geht's heute schon nach Las Vegas. Eigentlich wollte ich es vermeiden samstag's hier einzufallen, wegen der teilweise extrem hohen Zimmerpreise am Wochenende. Nach 4 Stunden Stau und endlosen Bikerkolonnen bin ich in Sin City. Ich fahre direkt zum Best Western Mc Carran Inn, in der Hoffnung noch ein Zimmer zu ergattern.  Morgen treffe ich mich ja sowieso hier mit Anita und Hartmuth. Da könnte ich ja gleich 2 Nächte bleiben und spare mir unnötiges umziehen. Am Empfang gibt es nur 2 Worte: SOLD OUT!!! Gleichzeitig bekomme ich einen Übernachtungscoupon für das "Knight's Inn" in der Nachbarschaft in die Hand gedrückt. 54$ die Nacht. Das klingt richtig günstig und nach einem Haken. Der Preis stimmt tatsächlich, und der Haken ist der Zustand des Zimmers. Und jetzt die Untertreibung des Tages: Es ist ein bisschen schmuddelig hier. 

Den Tag lasse ich im Hard Rock Café ausklingen.

Gute Nacht!

 

Sonntag, 27. April 2008

 

So gegen 5.30 Uhr ist die Nachtruhe beendet. Ich schalte erst mal den Fernseher ein, denn zum Aufstehen ist es noch etwas zu früh. Bei den Amerikanern gibt es momentan nur 2 Haupthemen in den New's. Der Kampf Clinton vs. Obama sowie der hohe Ölpreis. Da ich beiden kein Lächeln entgegenzusetzen habe schalte ich ab. Es wir Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Im Office des Motel hole ich mir erstmal einen Becher Kaffee. Frühstück wird ab 7.00 Uhr gegen "cash" angeboten. Nach einem kuzen Blick in die Location beschließe ich auswärts zu speisen.

Ich packe meine 7 Sachen und checke aus. Über den Las Vegas Blvd. geht die Fahrt Richtung Süden. Als erstes entdecke ich Mc Donald's, habe aber keinen Appetit auf Egg's Mc Muffin. Da scheint mir "IHOP" die bessere Wahl zu sein. Ohne größere Wartezeit bekomme ich einen Platz zugewiesen. Ich ordere das volle Programm, d.h. scrambled eggs, hash browns, bacon, sausages and toast. Alles schmeckt echt lecker.

Als nächstes steht der "Bass Pro Shop" auf dem Plan. Es handelt sich hier um einen riesigen Outdoor Laden. Ich komme genau zur richtigen Zeit an. Um 9 Uhr öffnen sich bereits die Pforten. Ich bewege mich gezielt in die Campingabteilung. Dort füllen bald 1 Dutzend Packungen "Freeze Dried Food" meinen Einkaufswagen, unserem Hauptnahrungsmittel für den bevorstehenden Hike. Die gesamte obere Etage dient dem Lieblingsspielzeug der Amis, WAPPONS, soweit das Auge reicht. Nach einer Stunde rumstöbern geht's weiter.

Ohne genaues Ziel vor den Augen, geht die Fahrt Richtung Pharump. In den Bergen verlasse ich die Haupstraße und stehe vor dem Schild "Lovell Canyon".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist genau der richtige Zeitpunkt um den Jeep das Erstemal einzustauben, also gebe ich Gas. Nach einigen Meilen wird mir bewusst, wo ich hier gelandet bin...

...auf einem überdimensionalen Spielplatz für große Kinder. Rechts und links der Piste sind, zwischen Bäumen und Geröll, provisorische Schießstände angelegt. Es wird aus allen Rohren geballert, allerdings wie es sich gehört, auf Schießscheiben. Da ich unbewaffnet bin, trete ich den Rückzug an. Auf dem Weg nach Las Vegas mache ich noch einen kurzen Abstecher in den "Red Rock Canyon".

Der Park ist heute am Sonntag total überlaufen. Aber es lohnt sich trotzdem den Loop abzufahren, denn es blüht überall.

Auf Grund der Tatsache das es kaum freie Parkplätze gibt, bin ich ziemlich schnell hier durch. Während der Rückfahrt in die Stadt nehme ich telefonischen Kontakt zu Anita und Hartmuth (http://www.usa-homepage.com/) auf. Sie sind pünktlich gelandet und wir verabreden uns locker für den Nachmittag. Mein Weg führt mich direkt zum Best Western Mc Carran Inn, dort ist mein Zimmer ab 14.00 Uhr verfügbar. Anschließend geht's zum Poolbereich, wo ich es Aufgrund der hohen Temperaturen aber nur eine halbe Stunde aushalte, denn das letzte was ich vor der Tour gebrauchen kann, ist ein Sonnenbrand. Deshalb fahre ich zum klimatisierten Walmart, um schon mal ein paar Kleinigkeiten für den Trip zu besorgen. Nach einigen Dollar's weniger in meiner Tasche, geht es zurück zum Motel. Als ich gerade auf den Parkplatz einbiege, staune ich nicht schlecht, als direkt vor mir Anita und Hartmuth im selben Moment ankommen. Wir verabreden uns für 17.30 Uhr, und ich fahre dann zum zweiten Mal zum Walmart, hätte ich das vorher gewusst...  Zum Abendessen gehts ins "Sizzeler".

Gute Nacht!

Fortsetzung folgt...

 

Montag, 28. April 2008

Wie schon gestern Morgen endet die Nacht um 5.30 Uhr, heute allerdings mit Weckruf. In einer halben Stunde bin ich mit Anita und Hartmuth zum Frühstück verabredet. Da ich gestern kaum Gepäck mit auf das Zimmer genommen hatte, entfällt das Packen. Nur schnell frisch machen und ab zum Buffet. Kurz vor 6 Uhr ist aber noch alles dunkel in der "Küche", so suche ich den besten Platz im Saal und schaue etwas fern. Nach der ersten Stärkung des Tages rollen wir gemeinsam los, direkt zum Storage der beiden.

der Storage von Anita und Hartmuth

Einige Utensilien, wie Laptop usw., gehören nicht zum Wanderequipment und sind hier sicherer aufgehoben als 5 Tage lang im Auto. Ich tanke meinen Jeep nochmals voll und die Fahrt kann endlich losgehen. Über den Strip verlassen wie Las Vegas mit dem Ziel Kanab in Utah. In St. George verlassen wir die Interstate 15 und machen einen ersten Stop (Walmart). Weiter geht es über Hurricane und Fredonia nach Kanab.

Auf der Fahrt dorthin kommen wir auch an Hildale und Colorado City vorbei. Hier trieb, der mittlerweile inhaftierte Sektencheff Warren Jeffs, sein Unwesen. Ihm werden unter anderem Polygamie, Vergewaltigung sowie Verführung Minderjähriger vorgeworfen. Vor seiner Verhaftung im Jahr 2006 stand er beim FBI auf der Liste der 10 meistgesuchten Verbrecher in den USA.

In Kanab angekommen fahren wir direkt zum Treasure Trail Motel. Anita hatte aus Deutschland schon vorgebucht. Es handelt sich hier um ein Motel im klassischen Stil. Man kann mit dem Wagen direkt bis an die Zimmertür heranfahren, das erspart unötige Lauferei. 

Ich entlade einen Großteil meines Gepäcks und kurze Zeit später fahren wir auf der 89 über Page nach Lee's Ferry, dem Zielpunkt unserer Wandertour. Dort wird mein Jeep die kommenden Tage stehen bleiben. Da es sich bei unserer Wanderung um einen "One Way Hike" handelt, sind wir so nicht auf einen Shuttleservice angewiesen und können stattdessen nach der Tour mit dem eigenen Wagen zum Ausgangspunkt zurückfahren, wo Anita's und Hartmuth's Vehicle steht.

Balanced Rock- Marble Canyon

An der Rangerstation stoppen wir planmäßig, um uns ein letztes Wetter-update einzuholen. Der "Diensthabende" verkündet: Good news for the next couple day's! Es bleibt sonnig, trocken aber es wird windig. Der "Wire Pass" und "Buckskin Gulch" sind trocken, der "Paria River" führt knöcheltiefes Wasser. Das wars auch schon in Sachen Info's von ihm. Er ist nicht ganz so euphorisch wie viele seiner Kollegen, die man im Laufe der Zeit schon kennengelernt hat. Mit diesen Neuigkeiten und einer neuen Mütze verlassen wir die Station.  Jetzt steht unserer Tour wirklich nichts mehr im Wege, denn nur Regenwetter und damit verbundene "flash floods" hätten unseren Masterplan durcheinander gebracht. Gerade am ersten Tag unseres Hike's durch die *Slotcanyons des "Wirepass" und "Buckskin Gulch" hätte Regen fatale Auswirkungen haben können. In solchen Situationen kann das Regenwasser nicht ablaufen und steigt in kürzester Zeit mehrere Meter an. Eine Flucht, wenn man sich zu tief im Canyon befindet, ist absolut zwecklos.

 Quelle Wikipedia

*Slot Canyon ist die amerikanische Bezeichnung für eine enge, durch fließendes Wasser geschaffene Schlucht.Slot Canyons sind ein typisches Landschaftsmerkmal des Colorado-Plateaus im Südwesten der USA. Leicht erodierbare Sedimentschichten aus Sandstein sowie das trockene Klima begünstigen die Bildung der Canyons. Charakteristisch sind Sturzfluten (engl.: flash floods), nach meist kurzen Sommergewittern fließen große Wassermengen in kürzester Zeit durch die sonst trockene Schlucht.

1997 kamen bei einer solchen Sturzflut im Lower Antelope Canyon - die außerhalb des Canyons völlig unspektakulär daherkommt - 11 Touristen ums Leben.

Anita & Hartmuth filmen die Wegstrecke

In Page machen wir noch einen außerplanmäßigen Stop(Walmart). Ich habe doch tatsächlich meine Trinkflasche in Deutschland vergessen. In der Campingabteilung erstehe ich 2 Bottles inkl. Karabinerhaken.

Als wir Lee's Ferry erreichen, fahren wir direkt zum Parplatz. Hier ist es erlaubt 14 Tage lang kostenlos zu parken, vorrausgesetzt man hat ein "Parking Tag" (ein Parkschein in Verbindung einer Permit/Wandererlaubnis). Ich checke mehrmals, ob ich auch alles eingepackt habe, was ich für die Tour brauche. Der restliche Kleinkram wird in den Kofferraum verfrachtet, inkl. meiner Kühltasche, Inhalt: Echter Geschmack und Zero Zucker. Ich verabschiede mich vom "Grand Cherokee" und wir fahren über die 89 ALT vorbei an "Lake Jacob" zurück nach Kanab.

Dort beginnen wir umgehend mit dem Packen der Trekkingrucksäcke. Aufgrund gesammelter Erfahrungen aus dem letzten Jahr habe ich meinen Kram (Zelt,Matte,Schlafsack...) schnell zusammen. Als letztes fülle ich meine 2 Trinksyteme plus die neu erstandenen Flaschen mit Wasser. Alles zusammen 6 Liter Trinkwasser = 6 kg Gewicht. Ich schnalle und zurre alles fest und wuchte den Pack auf mein Back. Er sitzt recht ordentlich, denn ich habe an den verschiedenen Einstellmöglichkeiten der Gurte seit der letzten Tour nichts verändert. Dann schwanke ich zu meinen Nachbarn ins Zimmer, sie haben extra eine Waage mitgenommen. Die Gewichtsverteilung der Rucksäcke gestaltet sich wie folgt: Anita 18kg, Hartmuth und ich jeweils 20kg.

Das vorerst letzte Abendessen in der Zivilisation nehmen wir bei Pizza Hut ein. Es ist mein "erstes mal" bei dieser Foodkette. Während Anita und Hartmuth sich nach einer kleinen Vorspeise eine mittlere Pizza teilen, ordere ich ohne Vorspeise eine Pizza Supreme. Als mir das Ergebnis italienischer Backkunst auf dem Teller präsentiert wird, zucke ich zusammen. Meine 16" Alufelgen an meinem Auto wirken kleiner als dieses Monstrum. Ich schaffe gerade mal die hälfte, dann "habe ich fertig". Die Bedienungen hier allerdings auch, während wir noch am Essen sind, werden schonmal alle Stühle im Laden hochgestellt. Wir zahlen schnell und verschwinden.

Bei einem letzten kurzen Briefing beschließen wir, um null fünfhundert morgen früh vom Hof zu rollen.

Gute Nacht! 

 

29. April 2008   

Kurz vor halb fünf ist die Nacht beendet. Das ist wieder so ein Morgen, wo man(n) sich gerne nochmal umgedreht hätte. Aber wir sind ja nicht zum schlafen hier. Wir bepacken unseren Lastesel und fahren planmäßig ab. Anita steuert uns sicher durch die Dunkelheit. Am Abzweig zur House Rock Valley übernimmt Harry den "Bock". Nach kurzem Finetuning an den Sitzen gibt's nur noch eine Devise: Gas. Im gefühlten Stil eines Rallypiloten steuert aber auch er uns sicher ans Ziel. Ich muß allerdings auch bemerken, dass man auf der Rückbank ein anderes Gefühl für Geschwindigkeiten empfindet. Und wann sitze ich schon mal hinten.

Marco Metzing

Kurz vor 6.00 Uhr ist der Parkplatz am Trailhead auch schon erreicht. Und das erste was es heute zu entdecken gibt, sind eine gute handvoll Autos mit den dazugehörigen Insassen(Hikern) noch schlafend in Ihren Zelten. Als wir beginnen auszuladen kommt Bewegung in das Camp. Nach einem letzten TOI... TOI... TOI... sattel wir auf.

Wir tragen uns vorschriftsmäßig in das Trailregister ein und wandern endlich los. Als Orientierungshilfe dient der "Hiker's Guide to Paria Canyon"(vom BLM) den Anita und Hartmuth sich haben schicken lassen. Ich bin irgendwann mal über das Buch "Wandern im Südwesten der USA"(P.F.Schäfer) gestoßen. Nachdem ich es  am Anfang des Jahres durchforstet hatte, schickte ich es nach Köln zu meinen Wandergefährten. Anita war so schlau, sich einige Seiten mit  Aufzeichnungen zu unserer Wanderung aus dem Buch zu kopieren. Damit werden wir uns bestimmt nicht verlaufen.

Nach einer knappen halben Stunde des "warmlaufens" kommen wir zum Eingang des Wire Pass.

Wire Pass

Hier beginnen die sog. "Narrows" (eng, knapp, begrenzt, beschränkt). Und die Felswände werden gleich richtig eng. Während Anita sich gerade so durchzwängen kann, müssen Hartmuth und ich unsere Ruksäcke abnehmen. Da bekommen wir gleich den richtigen Vorgeschmack.

           Und auch die ersten Hindernisse lassen nicht lange auf sich warten. Wieder "satteln" wir ab, um sicher über diesen Felsbrocken zu gelangen. Teilweise dringt kaum noch Sonnenlicht auf den Boden. 

 Auf einmal stehen wir wieder "draußen".

Um kurze Zeit später wieder "einzutauchen". Über das Geröll lässt es sich teilweise nur sehr schlecht laufen.  

An diesem Punkt endet der Wire Pass und wir befinden uns im Buckskin Gulch. Der Erste Kartenabschnitt ist somit abgehakt, aber es sollen noch einige folgen.

 Auf dem diesem Bild stehe ich genau unter einem in der Felswand verkeilten Holzstamm. Ein stummer Zeuge vergangener Flash Floods. Wir fragen uns häufiger, wann wohl die letzte große Wasserwalze hier durchgeflossen ist.

Nach relativ einfachen Passagen folgen nun immer mehr schwierigere wie diese hier.

Die Trampelspuren weisen verschiedene Wege und es ist nicht immer leicht, den richtigen zu finden. Das kostet Kraft und Zeit.

Buckskin Gulch

Anita, unser "wanderndes Lexikon", ist immer bestens informiert und fast immer bestens orientiert.

An dieser Stelle trifft ein Sonnenstrahl fast senkrecht auf den Canyonboden. Ich versuche etwas Staub aufzuwirbeln, um den Strahl besser sichtbar zu machen.

Eine Sackgasse?

Glücklicherweise müssen wir nicht umkehren.

Es sieht aus wie ein Höhleneingang.

So wechselt der Canyon ständig seine Form, ebenso geht es unserer physischen Form. Die Pausen mehren sich und wir reden bereits am frühen Nachmittag immer mehr vom "Boulder Jam", einer schwierigen Kletterpassage kurz vorm Etappenziel. Wenn wir den erst mal erreicht haben, ja dann...

...haben wir es für heute geschafft. Und so laufen wir weiter und weiter. Es wird dunkler, kälter und feuchter. Aber "Boulder Jam" will einfach nicht auftauchen.

Zum oberen Bild: Auf Youtube gibt es ein Video, wo diese Stelle komplett unter Wasser steht. Den Jung's, die seinerzeit da durchmaschiert sind, stand das Wasser bis zum Bauchnabel.

Wir sind echt dankbar das es so trocken ist. Zwischenzeitlich ziehe ich mein Wandertempo an. Anita und Hartmuth fallen etwas zurück. Ich spule Meter um Meter ab. Ich entdecke einen Traktorreifen, den die Flut irgendwann bis hierher hingespült hat. Dann kommt eine absolut dunkle Passage und ich stehe vor einem schlammigen Pool. Ich stochere mit meinem Walkingstock darin herum und schlußfolgere, dass wir nun doch noch "baden" gehen müssen. Einige Momente später ziehe ich meinen Rucksack ab und laufe zurück, um gegebenfalls Anita's Backpack zu tragen. Nach 10 min "Nordic Walking" treffe ich die beiden wieder und erzähle von dem bevorstehenden Pool. Mein Angebot Ihren Rucksack zu tragen schlägt Anita erst mal aus. Sie meint: "Harry hat sich gerade das Knie verdreht,der könnte Hilfe gebrauchen. Doch er meint: "Es geht schon. Nimm lieber Anita's Rucksack." Nach zwei oder dreimal hin und her, erleichtere ich Sie von der Last und wuchte mir das Teil auf die Schulter. Die 18 kg fühlen sich genauso an wie meine 20 kg. Also Hut ab vor Anita!!!

Wet-Wild-West

Wenig später stehen wir drei vor dem Pool und beratschlagen die weitere Vorgehensweise. Ich ziehe meine Wasserdichten Socken und Sandalen an. Anita versucht es nur in Neoprensocken, während Harry den "Matscho" raushängen lässt und es barfuß probiert. Ich wate als erstes durch und spüre eine Menge Steine an den Sohlen, die das Laufen erschweren. Trotz meiner Vorwarnung probiert er es barfüßig und bekommt die Quittung in Form von eisigem Wasser und einem Schlammüberzug auf seinen Beinen.  

Anita versucht es mehr auf der linken Seite, hier ist es nicht so tief. Einige Augenblicke später kommt noch ein Ami an den Pool. Ohne groß nachzudenken bzw. das Schuhwerk zu wechseln, durchquert er in 3 gezielten Step's das Wasserloch. Er bewegt sich ganz links und hat dabei eine lange Hose an, welche es verhindert, das Wasser in die Schuhe eindringen kann. Mir scheint diese Version aber auch nicht ganz ungefährlich zu sein, denn wenn er da ausrutscht, nimmt er ein "Vollbad". Während Anita nun beschäftigt ist Hartmuth zu helfen um den Schlamm von der Haut zu bekommen, schlittere ich in meinen Outdoorsandalen vorsichtig weiter. Nach einigen Metern habe ich wieder Grip.

Nach einem kurzen Walk treffe ich den Amerikaner wieder. Er ist auf der Suche nach dem richtigen Weg ins Stocken geraten. Ich entdecke einige Seile, da wird mir klar "Boulder Jam" ist endlich erreicht. Bei einem kurzen Smalltalk erzählt er mir, dass er vor einigen Jahren schonmal hier durchgelaufen ist. Er bittet mich um Hilfe seinen Backpack auf die höchste Stelle zu hieven. Nebeneinander hockend packt er sein Seil aus, und beginnt minutenlang hin und her zu knoten. Meinen Vorschlag, dass er herunter klettert und ich seinen Backpack abseile, ignoriert er total. Beim einfachen Teil benötigt er Hilfe und jetzt wo es schwierig wird braucht er mich nicht mehr. Ich gebe aber fairerweise zu, dass er alles gut unter Kontrolle hat. Wenig später wünschen wir uns gegenseitig eine schöne Zeit hier und er geht weiter.

Eine Viertelstunde später treffen dann auch meine zwei Wandergefährten ein. Zuerst seilt sich Anita ab. Halb im Seil hängend verliert sie plötzlich die Kontrolle, und es geht weder vor noch zurück. Eine ganz schwierige Situation, bei der sie sich einige Schürfverletzungen zuzieht. Aber Rettung naht in Form des Amis. Er leistet eine extrem wichtige Hilfestellung. He did a great Job, thanx! Danach lassen wir das Equipment ab. Als ich Hartmuth's Abseiltechnik sehe, bekomme ich ein mulmiges Gefühl und just in diesem Moment bekommt er Probleme. In letzter Sekunde kann er sich abfangen, sonst wäre er mit dem Kopf an den Fels geschlagen. Auch er trägt ein paar kleine Blessuren davon. Als letztes bin ich dran. Dank der Hilfestellung meiner Seilschaft komme ich wohlbehalten unten an.

Boulder Jam

Nun heißt es wieder laufen, laufen und nochmals laufen. Ich ziehe mal wieder das Tempo an und Anita und Hartmuth fallen zurück.  Ca. 1 Stunde später entdecke ich eine riesige Sandbank. Das muß unser Lager für heute sein. Mit dem Zeltaufbau warte ich aber bis der Rest der Gruppe eintrifft und grünes Licht gibt.

Basislager 1

Es ist ein tolles Gefühl, sich ohne Last auf dem Rücken zu bewegen. Als das Camp endlich steht, beginnt Anita mit der Zubereitung unseres "Freeze Dried Food". Es schmeckt schon wie im letzten Jahr richtig gut. Als Nachtisch bzw. zum Aufwärmen gibt es noch eine Tasse Kakao oder Kaffee. Ansonsten läuft heute nicht mehr viel. Das kann man nach 20 km Wandern auch nicht verlangen. Kurze Zeit später kriecht jeder in seinen Schlafsack.

Gute Nacht!

 

30. April 2008

Nach 10 Stunden Schlaf, inkl. einiger Unterbrechungen, quäle ich mich aus dem Zelt. Für die Wachphasen haben quakende Frösche sowie kreischende Vögel gesorgt. Da wir ja von riesigen Canyonwänden umgeben sind, ist der Schall um so intensiver.

Nach einigen Stretchübungen beginne ich sofort das Zelt abzubauen. In Bewegung zu bleiben ist heute Morgen auch notwendig, den es ist richtig kalt.  Mein Thermometer zeigt gerademal 5 Grad Celsius an. Anita und Hartmuth kriechen leicht unterkühlt aus der Behausung. Die 2 haben heute Nacht richtig gefroren. Dies bezüglich habe ich keine Probleme gehabt, denn mein Schlafsack bietet bis minus 5 Grad noch Komfort. Außerdem habe ich in voller Montur geschlafen, okay die Schuhe habe ich schon ausgezogen. Für den Abbau unseres Lagers benötigen wir über eine Stunde. Zum Frühstück gibt es 2 Kekse und den ersten Schluck Wasser des Tages. Da wir mit dem Wasser gut haushalten müssen, verkürzt sich die Zeit der Morgentoilette extrem. Schnell noch Zähne putzen bzw. Deoroller nutzen, dann satteln wir auf. Außerdem hatte ich in unserer Wanderlektüre gelesen, dass wir nicht zum Dinner verabredet sind.

Die ersten Schritte sind dann doch wieder gewöhnungsbedürftig. Der Rucksack ist,abzüglich der 3 Tüten "Freeze Dried Food" noch fast genauso schwer wie gestern. Außerdem erreichen die Sonnenstrahlen den Canyonboden noch nicht. Kaum richtig warmgelaufen, da bleiben wir stehen und beginnen Bilder zu machen. Grund dafür ist die sog. "Confluence", hier trifft der Buckskin Gulch auf den Paria River. (oberes Bild) 

Immer im Gleichschritt und das Ziel vor den Augen.

Paria River

Apropos Ziel, unser nächster planmäßiger Stop ist "Big Spring". Die größte und zuverlässigste Quelle der gesamten Tour. Bis dorthin liegen aber noch viele Wasserüberquerungen vor uns. Und jene werden immer tiefer und breiter. Anfangs gelingt es noch recht gut den Fluß trockenen Fußes zu durchlaufen. Aber zunehmend wird dieses Vorhaben schwieriger. Egal wie tief es jetzt ist, (max. bis zur Wade) der kürzeste Weg ist der schnellste.

Hinter fast jeder Kurve gibt es was neues zu entdecken.

Bizarre Felsformationen bestimmen diesen Teil der Tour. Wir schätzen die Höhe der Canyonwände auf mindestens 100m. Glücklicherweise finden nun auch die Sonnenstrahlen den Weg zu uns. Trotz "Hiker's Guide to Paria Canyon" haben wir Probleme unseren aktuelle Standort zu bestimmen. Anita liest uns zusätzlich aus den kopierten Aufzeichnungen von "Wandern im Südwesten der USA" vor. Hartmuth und ich lauschen gespannt. Die große Quelle müßte eigentlich ganz in der Nähe sein. Und nach einiger Zeit kommen wir an die markante Stelle. In der Buchbeschreibung steht sinngemäß, daß sich links eine Sandbank befindet und rechts gegenüber das Quellwasser laut plätschernd darauf wartet, in Flaschen abgefüllt zu werden. Bis auf das "Plätschern" stimmt alles.

beim Trinkwasser Pumpen

Möglicherweise sind die Aufzeichnungen aus dem Buch schon ein paar Jahre alt und die Natur verändert sich ja permanent. Außer dem Paria River rauscht hier garnix. Den Spuren nach zu urteilen, scheinen hier schon mehrere Wasser gezapft zu haben. Also "O'zapft is".

Das Schicksal will es, dass ausgerechnet meine zwei neu erworbenen Trinkflaschen sich auf die Handwasserpumpe (inkl. Filtereinheit) von "MSR" schrauben lassen. Das erleichtert dieses Prozedere um einiges. Nach mehr als einer halben Stunde und geschätzten 10.000 Pumpvorgängen fällt mir fast der Arm ab. Wir ruhen uns noch einige Augenblicke aus und löschen unseren Durst mit dem frisch gezapften, inkl. einer Brausetablette versehenen, Quellwasser. Einfach und Lecker. Aber irgendwann ist auch die längste Pause vorbei und wir wandern weiter, um nach ein paar Minuten wieder auf eine Quelle zu treffen. Diese passt 100 prozentig zur Buchbeschreibung. Jetzt ist auch das Plätschern des Wassers schon von weitem zu hören. Jetzt haben wir "Big Spring" wirklich erreicht, brauchen aber kein Wasser mehr. Hier nochmal zu Pumpen kommt überhaupt nicht in Frage. Wir machen ein paar Bilder und schleichen davon.   

BIG SPRING

Während ich so vor mich hin fotografiere, mache ich eine fast mystische Entdeckung. Weit oben im Fels ist, auch ohne viel Fantasie, ein Gesicht zu erkennen.

Wer mag das wohl sein?

Bei näheren heranzoomen bin ich ziemlich sprachlos. Es ist schon erstaunlich was die Natur so alles zaubert. Andererseits ist gerade dieses Gebiet hier, die "Vermillion Cliffs", bekannt für bizarre Formen und Landschaften. Das ist alles Normalität im geliebten Südwesten. Nur deswegen kommen wir immer wieder hierher zurück.

An zurück denken wir jetzt aber nicht, vorwärts klingt da schon besser. So folgen wir dem Paria River Kurve um Kurve, bis wir am frühen Nachmittag nach ca. 13 km unser heutiges Camp in Augenschein nehmen.

Basislager 2

Im Vergleich zu gestern eine Luxus Campsite. Viel Platz für alle und dazu die Möglichkeit sich gemütlich zusammenzusetzen um den restlichen Tag zu genießen. Nachdem die Zelte stehen trocken wir erstmal unser Schuhwerk inkl. der Socken. Aufgrund der angenehmen Temperaturen verbunden mit einem ordentlichen Lüftchen funktioniert das superschnell.

Freeze Dried Food

Der Vorteil des Frühaufstehens hat sich für uns mal wieder gelohnt. Wir haben unser Tagesziel recht früh erreicht und verbringen so einen schönen Nachmittag am Fluß. Anita kocht erst mal eine gute Tasse Kaffee. Dabei lassen wir den Tag nochmal Revue passieren. Quelle hin, Quelle her! Das Wasser hat geschmeckt und keiner hat Probleme.

So ganz langsam verabschiedet sich die Sonne. Und nach dem üblichen leckeren "Dinner" und einem "Schlummertrunk" verabschieden wir uns wieder recht früh in die Schlafsäcke.

 Gute Nacht!

 

1. Mai 2008

Oh What a Night! Wie in der Sahara

 

Bei diesem Anblick hat selbst die Kamera auf unscharf gestellt. Sand soweit das Auge reicht. Der Wind hatte letzte Nacht nochmal an Stärke zugelegt, und bei jeder Böe die mein Zelt traf, eine Schippe voll durch das Moskitonetz gedrückt. Ich nehme allerdings eine Teilschuld auf mich. Als ich gestern Abend in den Schlafsack gekrochen bin, habe ich bereits ein dünne Staubschicht bemerkt. Da wäre noch genug Zeit gewesen, das Zelt um 90 Grad zu drehen und damit in den Wind zustellen. Ich hatte aber einfach keine Lust mehr und ob es viel gebracht hätte.....i don't no!!! Als ich die Ausmaße heute Nacht erkannt hatte, zog ich mir den Schlafsack bis über das Gesicht und habe den Sturm so gut überstanden.

Bevor ich aus der "Sanddüne" krieche entstaube ich meine komplette Ausrüstung inkl. Uhr, Taschenmesser, Kopfkissen und dem ganzen Kram der noch so hier rum liegt. Ähnlich wie gestern stehen wir ca. 1,5 Stunden später in den Startlöchern.

Mit spektakulären Blick zurück an die Canyonwand verlassen wir unser Camp. Der Paria River hat uns nach wenigen Minuten wieder voll im Griff. Die Schuhe werden schneller nass als gestern, aber das stört keinen heute Morgen.

Wenn nur die Kälte nicht wäre. Vor allem die Hände, haben unter diesen Bedingungen zu leiden. Da ich nur mit einem Walkingstock unterwegs bin, stecke ich mir abwechselnd die Hände in die Hosentaschen.

Um Punkt 8.22 Uhr erreichen wir diesen ersten "Hotspot" des Tages und Hartmuth nimmt ein Sonnenbad. Das tut gut!

Während ich ebenso im  Sonnenstrahl "bade", fällt mir beim betrachten meiner Silhouette auf, daß da hinten 2 Spannriemen lose herunterhängen. Da wurde heute Früh beim Packen wohl etwas geschlampt. Anita hilft mir netterweise beim fixieren. So brauche ich das Teil nicht extra abzusetzen.

Judd Hollow

Eine gute halbe Stunde später erkennen wir die Überreste der ehemaligen Pumpstation namens "Judd Hollow", welche seinerzeit den Eigentümmer mehrmals wechselte, ohne jemals in Betrieb gegangen zu sein. Ursprünglich sollte hier Mitte letzten Jahrhunderts damit Wasser hoch zum Canyonrand gepumpt werden, um Rinder zu versorgen....

Wir nutzen die Gelegenheit, um einige Bilder zu machen, wobei es bei Harry mehr bei einem Versuch bleibt Bilder zu machen. Seine Kamera scheint zu kapitulieren, doch mit List und Tücke gelingt es Ihm, das Gerät am Leben zu halten.

Gott sei dank, denn es warten noch einige tolle Motive.

Wie zum Beispiel dieser harmlose Wanderer...

...oder dieses riesige Exemplar von einem Käfer.

Okay ich gebe zu, die Perspektive täuscht gewaltig.

Wir helfen dem "kleinen" noch bei der Wasserdurchquerung und waten selbst weiter und spulen Meile um Meile ab und kommen unserem Tagesziel immer näher.

Das ist nämlich "Shower Spring", eine weitere große Quelle. Der Karte nach zu wandern ist wiedermal nicht gerade einfach, weshalb Anita immer wieder aus den kopierten Buchseiten zitiert. Wir fassen kurz zusammen: Hinter uns liegt "Judd Hollow" was auf Grund der dortigen Hinterlassenschaften  gut auf der Karte zu lokalisieren war. Den Abzweig zum "Wrather Arch" haben wir auch ausfindig gemacht. Nur hatte keiner so richtig Lust auf diese Extra Tour. Übereinstimmend stellen wir fest, diesen Trail beim nächsten mal in Angriff zu nehmen. Und "Shower Spring" liegt am Ende eines mehreren hundert Meter langen, fast geraden Teilstücks. Bei so vielen Kurven sollte das nicht unbemerkt bleiben.  Das klingt doch eigentlich ganz einfach und so folgen wir dem River. Nach weiteren 1,5 Stunden und einer Gesamtstrecke von ca. 13km stehen wir kurz nach dem Mittag tatsächlich an unserem Campground. Jetzt müssen wir nur noch die Quelle finden.

Basislager 3

Hartmuth macht sich umgehend, gefolgt von mir, auf die Suche. Nach wenigen Augenblicken hat er den "Eingang" zur Oase gefunden. Verborgen hinter dichtem Gestrüpp ergießt sich die Quelle. Das Wasser hier steht uns bis fast an die Knie. Man könnte meinen wir wären in den Sümpfen der "Everglades" in Florida. Ein paar Minuten später kommt uns Anita filmend zur Hilfe. Als alle Behältnisse gefüllt sind treten wir den Rückzug an und errichten unser Lager. Doch das gestaltet sich ziemlich schwierig. Zum einen wimmelt es nur so von Eier transportierenden Ameisen und zum anderen peitschen uns heftige Windböen um die Ohren. Der Zeltaufbau verzögert sich aber nur minimal, wir sind schließlich keine Greenhorn's. Den Nachmittagskaffee serviert Anita mit etwas Verspätung. Erst nachdem Hartmuth den  Kocher und Brenner absolut winddicht zwischen einem künstlich gebauten Steinturm platziert, ist es ihr möglich Wasser zu kochen. Da es im Schatten des Felsens richtig kalt ist, suchen wir uns eine sonnige Stelle in einer Sanddüne. Bei Kaffee und Plätzchen genießen wir den Augenblick. Im Laufe des Nachmittags kommen noch weitere 4 Hiker zur Quelle, um nachzutanken.

Die Windböen werden derweil immer stärker. Aus diesem Grund, baue ich mir aus herumliegenden Steinen einen Schutzwall ans Zelt. Dieser soll verhindern das nicht soviel Sand hereingeweht wird.

Später werfe ich immer mal einen Blick hinein, um festzustellen das gegen diesen feinkörnigen Sand wohl nichts zu machen ist. Selbst Anita und Hartmuth haben Sandeinbruch zu vermelden. Gegen 5.00 Uhr beginnen wir mit der Zubereitung unseres Abendessens. Es stellt sich eine gewisse Routine dabei ein. Nachdem die letzten Sonnenstrahlen unsere Campsite verlassen wird es so kalt, dass wir frierend in den Zelten nach Wärme suchen. Aber an Schlaf ist noch nicht zu denken, schließlich ist es erst 18.40 Uhr. Stattdessen schnappe ich mir die Gebrauchsanleitung meines Zeltes und lese diese erstmalig von A-Z durch. Aus der Ferne glaube ich manchmal Hundegebell zu hören, dass scheint aber nur Einbildung zu sein. Unterdessen knallt eine Windböe nach der anderen gegen das Zelt. Aber es steht wie ein Fels in der Brandung. Einzig das Überzelt schleift über den errichteten Steinschutzwall. Und das nervt mich mächtig. Ich versuche zwar so einzuschlafen, aber es gelingt mir nicht. Es hat bereits gedämmert, da kommt mir die gloreiche Idee die Steine wegzuschieben. Nur im Dunkeln wollte ich mit meinen Händen da draußen nicht mehr herumwerken. Wer weiß was gerade da alles so vorbei kriecht. Ich nehme mein Schweizer Taschenmesser, ziehe die große Klinge heraus und versuche den ersten Stein wegzudrücken. Ich habe diesen noch keinen Zentimeter bewegt, da verkante ich und die Schneide steht plötzlich im rechten Winkel zum Schaft. Ein paar Grad weiter und wir hätten 911 anrufen können.

Den Schock verdaut setzte ich meine Stirnleuchte auf und verlasse das Zelt, um den Wall wieder abzubauen. Das Einschlafen klappt trotzdem nicht, zu sehr ärgere mich über meine eigene Dummheit.

Gute Nacht!

 

2. Mai 2008

Wie schon gestern bzw. vorgestern und vorvorgestern klingeln unsere Handy's 6.00 Uhr. Auch der ganze Zeltabbau inkl. Minimorgentoilette läuft im gewohnten Zeitschema ab. Für Hartmuth und mich gibt es jeweils 2 Plätzchen zum Frühstück, dann treten wir zum Morgenappell an.

good morning america how are you...

Zu den Plätzchen möchte ich bemerken, dass diese von Tag zu Tag immer besser schmecken. Waren sie am ersten Tag einfach nur gut, so sind diese heute wirklich delikat. Anita erklärt noch schnell die Streckenführung und schon wandern wir wieder los.

Bereits einige Minuten später sind wir wieder voll im Element. Keinen interessiert es wirklich wann die Schuhe das erstemal für heute nass werden. Schließlich sind wir mit diesem völlig anderen Wanderfeeling schon vertraut. Außerdem scheint die Sonne und es sieht so aus,als wird es wieder ein herrlich heißer Tag werden.

Wir müssen den Paria River im ersten Teil dieses Tages sehr häufig wechseln. Ein Laufen im Wasser ist an manchen Stellen vollkommen unmöglich. Manchmal erinnert er mich an einen Gebirgsbach.

Riesige "Boulder"(engl. Felsblock) versperren uns häufig den Weg. Aber trotzdem kommen wir sehr gut voran, bis zur letzten offiziellen Quelle, an der es nochmal heißt: PUMPEN,PUMPEN..... Dort angekommen suchen wir uns einen sonnigen Platz und entledigen uns unserer Rucksäcke. Das ist immer wieder ein tolles, befreiendes Gefühl. Während Anita und Hartmuth sich auf den Weg zur Zapfstelle machen schlage ich mich erstmal in die Büsche, ohne die 2 aus den Augen zu verlieren.

Der Pumpvorgang gestaltet sich hier allerdings nicht gerade einfach. Als ich bei den beiden eintreffe ist Anita noch damit beschäftigt einen Ministaudamm zu bauen. Irgendwo muss schließlich der Ansaugschlauch hineingehalten werden. Das Befüllen zieht sich trotzdem in die Länge. Nach 2 Litern brechen wir ab, unseren Berechnungen nach müsste das bis morgen Mittag locker ausreichen. Außerdem ist Anita  bei der Aktion klitschnass geworden. Ihr ist das Wasser am linken Hemdsärmel reingelaufen und am rechten Bein wieder heruntergelaufen. Im Schatten des Felsens fühlt sich das warscheinlich nicht gerade toll an. So entscheiden wir uns, noch etwas länger in der Sonne auzuharren.

Bei der Gelegenheit stärken wir uns auch gleich, um für die nächsten Meilen gut gerüstet zu sein. Die verbringen wir wieder häufig im Wasser.

Die Sonne brennt mittlerweise erbarmungslos. Ein völlig neues Gefühl für uns. Hatten wir zu Beginn der Tour, bedingt durch den hohen und engen Canyon kaum mal etwas Sonne, so werden wir hier regelrecht gegrillt. 

Kurz vor Mittag erreichen wir die sogenannte Hochwasserroute, welche oberhalb des Rivers verläuft und auf der wir den letzten Teil des heutigen Tages zurücklegen. Es ist nichts mehr von den engen Canyonwänden zu sehen, stattdessen sind wir nur noch am kraxeln. Riesige "Felsfelder" müssen bezwungen werden. Mit den schweren Rucksäcken wirklich kein Zucker schlecken. Als Orientierung dienen kleine Steinmännchen,(engl. Cairns) die von anderen Wanderern erbaut worden sind. DANKE!!!

Kurz nach diesem Hindernisparcour wird der Trail recht einfach, sodass wir ordentlich Tempo aufnehmen können. Aufgrund der hohen Temperaturen wird es allerdings immer strapaziöser. Der Wasserverbrauch steigt und steigt.

Wie schon gestern erreichen wir am frühen Nachmittag unser letztes Camp. Da es zu diesem Zeitpunkt kaum Schatten gibt, lassen wir uns mit dem Zeltaufbau sehr viel Zeit. Uns zieht es zum Paria River, wo wir uns erstmal abkühlen. Harry nimmt gleich ein Vollbad.

Basislager 4

Nach dieser erfrischenden Abkühlung sitzen wir noch eine ziemliche Weile im spärlichen Schatten des einzigen Baumes weit und breit. Jetzt genau ist der Zeitpunkt gekommen, um sich einfach mal so einen Liter Wasser unkontrolliert durch die vertrocknete Kehle laufen zu lassen. Da wir heute Vormittag aber nicht alle Behältnisse gefüllt hatten, beginnt nun die Rechnerei. Der gestiegene Wasserverbrauch während des heutigen Tages war so nicht eingeplant. Wir hängen alle unsere Trinkblasen an den Baum, um unsere Psyche zu stärken. Ich schlage vor eine Tasse heißen Kaffee zu trinken, die löscht bestimmt den Durst. Und was soll ich sagen, es hilft.

Am späten Nachmittag bereitet Anita zum letzten mal unser Abendessen zu. Das "Chicken Oriental Style" schmeckt mir auch zum dritten mal noch ausgezeichnet. Im laufe des Abends treffen noch andere Hiker ein, die ihr Lager an einer anderen, für uns nicht sichtbaren Stelle, errichten. Wir sitzen heute außergewöhnlich lang am "nicht vorhandenen Lagerfeuer" und vertreiben die Zeit mit Erzählungen und Fotografiererei. Erst als es dämmert verschwinden wir in die Zelte.

Gute Nacht!

 

3. Mai 2008

In Sachen Frühaufstehen brechen wir heute morgen alle Rekorde. Mit dem ersten Licht sozusagen wollen wir losgehen. Hartmuth hatte gestern Nachmittag mittels GPS den Zeitpunkt für den Sonnenaufgang ermittelt. Mit unseren Stirnleuchten "bewaffnet", beginnen wir in morgentlicher Dunkelheit, unser Camp abzubauen. Komischer Weise geht das heute deutlich schneller als an den vorangegangenen Tagen. Eine Knappe Stunde brauchen wir und alles ist abmarschbereit. Dumm nur das es noch stockfinster ist. Der Trail ist unter diesen Lichtverhältnissen kaum zu finden. Wir versuchen uns mit Morgengymnastik warm zu halten, bis es dann endlich los geht.

Während unserer gestrigen "Siesta" hatte ich den weiteren Weg schonmal inspiziert und einige Marker hinterlassen. Das zahlt sich nun aus, denn ohne ewige Sucherei finden wir den Trail sofort.

schon wieder ein "Balanced Rock"

Ein herrlicher Sonnenaufgang begleitet uns auf den ersten Metern. Der Streckenverlauf verspricht keine besonderen Schwierigkeiten. Der Paria River verlangt es noch 21 mal gekreuzt bzw. durchlaufen zu werden. Anfangs zähle ich noch mit, aber irgendwann komme ich durcheinander. Außerdem brauche ich nur unseren Navigator( Anita) zu fragen, sie hat die Karte in der Hand und weis immer bescheid.

Und Hartmuth lokalisiert mit seinem GPS Gerät auch schon unseren Wagen. Luftlinie sind es noch 3.95 km in südöstlicher Richtung. Wir müssen uns schon fast bremsen so schnell sind wir unterwegs. Die Sonne meint es gut mit uns und verzieht sich öfters hinter den Wolken.

Ein Viehgatter kündet unmissverständlich von nahender Zivilisation.

Es ist gerade mal kurz nach halb zehn, da taucht in der Ferne das Trailregister auf. Wie es sich gehört tragen wir uns ordnungsgemäß aus.

Auf den letzten ein bis zwei Kilometern passieren wir noch die "Lonely Dell Ranch". Uns kommen immer mehr Wanderer entgegen, die hier in Tagesausflügen die Natur erkunden. Ein vollkommen neues Gefühl, so viele Menschen  zu sehen.

Fast wehmütig nehmen wir Abschied vom Paria River. So viele Tage hat er uns nicht losgelassen, jetzt verlassen wir ihn einfach.

Ein letzter Blick...

... einige Kurven weiter flussabwärts mündet er in den Colorado River.

Yes we did it...

Es ist 11.00 Uhr!!! Nach knapp 4.5 Stunden und ca. 15 km sind wir endgültig am Ziel. Nun sollten wir uns die Siegerzigarren anzünden, doch leider(glücklicherweise) sind wir alle Nichtraucher. Dann lassen wir halt den Champus fließen, doch Anita und Hartmuth trinken keinen Alkohol(ich schon). Okay dann stoßen wir mit Cola an.

PROST!

von wasserdichten Socken bis zu nackten füßen

Am und im Auto ist alles noch so , wie wir es vor einer Woche verlassen hatten. Wir beginnen uns unserer Wanderbekleidung zu entledigen und ziehen uns um. Anita und Hartmuth überraschen mich dabei mit neuen selbst gestalteten T-Shirt's, welche wir natürlich sofort überziehen.

WET-WILD-WEST   We survived Paria-Wilderness

 

Kurze Zeit später starte ich den Motor und wir rollen ganz gemächlich los. Über Page fahren wir direkt zum Wire Pass Trailhead, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Es stehen wieder eine Menge Fahrzeuge hier. Glücklicherweise hat Harry den Autoschlüssel nicht im Paria Canyon verloren, sonst hätte er die gesamten 70 km nochmal ablaufen müssen. Ohne Verzögerung machen wir uns auf den Weg nach Kanab, wo wir übernachten wollen. Wieder "entern" wir das Treasure Trail Motel. Wir bekommen exakt die selben Zimmer wie vor einer Woche. Der einzige Unterschied ist, dass wir jetzt den Monat Mai haben und damit keine "Nebensaison" mehr ist. Die Zimmerrate ist um 10 $ gestiegen. Uns stört das nicht wirklich. Wir wollen nur eines und das ist "SHOWERN".

Zum Dinner fahren wir nach Mt. Carmel Junction. Hier ist das "Golden Hill", ein beliebtes Restaurant von Anita und Hartmuth, denn sie legen immer einen Stop ein, wenn sie hier vorbeikommen. Wir sitzen gemütlich beisammen und Schlemmen ohne Ende. Auf dem Rückweg nach Kanab fahren wir noch bei den "Coral Pink Sand Dunes" vorbei.

Coral Pink Sand Dunes

Diesen kleinen Park habe ich immer "links" liegen gelassen, wenn ich mal in der Nähe war. Aber für einen kleinen Abstecher ist er ganz okay. Im Prinzip sind die Sandünen ein riesiger Sandkasten für die großen Kinder, mit A.T.V.'s (Quad's) und anderen fahrbahren Untersätzen drehen sie Runde um Runde. Nach einem kurzen Fotostop gehts ins Motel zurück. Wir sitzen noch lange zusammen und beschließen es morgen früh etwas ruhiger angehen zu lassen.

Gute Nacht!

 

4. Mai 2008

Ganz ohne Wecker bin ich um 7.00 Uhr schon wieder wach. Nach den letzten Tagen in der Wildnis ein vollkommen neues Gefühl, einfach aufzustehen, zur Toilette zu gehen, sich bei laufendem Wasserhahn zu waschen. Was für ein Luxus. Und gleichzeitig stellt sich der verschwänderische Umgang mit dem wertvollen Nass wieder ein.

Eine knappe Stunde später treffe ich meine Zimmernachbarn zu einer kurzen Lagebesprechung. Heute steht die "Wave" Wanderung auf dem Plan, welche aber erst am Nachmittag starten soll, um gegebenenfalls den Sonnenuntergang dort erleben zu dürfen. Nachdem die Zimmerschlüssel abgegeben sind, fahren wir zur nächsten Tankstelle. Neben Benzin wollen wir uns auch gleichzeitig im dortigen "Foodmart" ein kleines Frühstück besorgen. Die Tankanlage funktioniert einwandfrei, die Pumpstation für den Kaffee dagegen nicht wirklich. Während Anita und Hartmuth sich am Automaten einen Latte Macciato ziehen, probiere ich meinen "Regular" Kaffee. Er ist fast kalt. Die nette Dame vom Schalter kann es kaum glauben und schnappt sich meinen Becher. Ich wiederum kann kaum glauben was nun passiert. Sie möchte meinen "Kaffee" in der Microwelle erhitzen. Aber nicht mit mir, next exit Mc Donald's!

Ein heißer Kaffee und 2 Egg Mc Muffin später verlassen wir Kanab. Wie schon vor einer Woche führt unser Weg zum Parkplatz des Wire Pass Trailhead. Auf der House Rock Valley Road gibt Harry ordentlich Gas, dass kommt mir irgendwie bekannt vor. Hinter seiner riesigen Staubwolke muß ich ordentlich Abstand halten, um nicht von der Piste abzukommen.

Stateline Campground

Am Trailhead stoppt er kurz ab, gibt nach einigen Metern wieder Gas und nimmt direkten Kurs auf den "Stateline Campground". Von den 4 Campsites die es hier gibt belegen wir gleich die schönste und bauen unsere Zelte auf, endlich mal wieder.

Wire Pass Trailhead

Gegen Mittag zeichnet es sich ab, dass es wohl nichts mit einem Sonnenuntergang in der "Wave" wird. Es ziehen immer mehr Wolkenfelder über uns weg. Wir entschließen uns nicht länger zu warten und machen uns wanderfertig. Am Trailhead angekommen geht es natürlich nicht ohne das obligatorische Foto. Kurz darauf betreten wir bekannte Pfade. Gerade mal 6 Tage ist es her, da sind wir mit vollem Marschgepäck ins Abenteuer Paria-Wilderness gestartet und heute geht's ganz entspannt die paar Kilometer zur Wave. Eigentlich habe ich das alles noch gar nicht verarbeitet.

Der Weg zur Wave

Kurz nach dem Trailregister überholen wir eine amerikanische Familie. 2 Adults and 3 Kids in the Party. Ob das gut geht und wir sie heute noch mal wiedersehen? Das jüngste der Kinder (ca. 3 Jahre alt) macht jetzt schon einen recht müden und lustlosen Eindruck. 

Der letzte Anstieg

Nach knapp anderthalb Stunden stehen wir kurz vorm Ziel. Der finale Anstieg hat es mal wieder in sich. Auf der Sanddüne geht es 2 Schritt vor und einen zurück. Aus Richtung Süden sehe ich wieder einige dichte Wolkenfelder heranziehen. Aus disem Grund verdoppele ich meine Schrittgeschwindigkeit. Für das klassiche "Wave-Foto" finde ich persönlich blau weißen Himmel am schönsten. Und ich habe Glück.

The Wave

Glücklicherweise hält sich die Sonne noch einige Minuten. Anita und Hartmuth kommen ein paar Minuten später an und machen es sich in einem Seitengang gemütlich. Momentan sind wir die einzigen hier. Plötzlich merke ich wie Harry etwas unruhig wird. Schon wieder hat er Probleme mit seiner Kamera. Diesmal nicht mit der kompakten sondern mit seiner großen Minolta. Ich begebe mich derweil auf Streifzug durch dieses fast unbeschreiblich schöne Stück Natur.

  

 Nach ca. 2 Stunden, kurz bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen, bekommen wir Besuch. Eine kleine Sensation bahnt sich an. Die großen bzw. kleinen Amerikaner haben es tatsächlich geschafft und sinken erschöpft neben uns nieder. Herzlichen Glückwunsch!

A+H in der perfekten WelleWir jedoch schnallen unsere Rucksacke auf und verlassen die perfekte Welle. Hartmuth's Kamera hatte sowieso den Dienst quittiert. Da es heute nicht sein erster Besuch hier war, hat er das Dilemma relativ gelassen gesehen.

Campfire

Am Campground wieder angekommen beginnen wir mit den Vorbereitungen für den kulinarischen Teil des Abends. Ich bin echt erstaunt was Anita alles an Küchenartikeln aus dem Kofferraum zaubert.Es gibt halt gewaltige Unterschiede zwischen reinem Trekking und sog. Car-Camping. Sie zaubert einen leckeren Käse-Mais-Salat. Derweil entfache ich das Grillfeuer und wie es sich für einen gebürtigen Thüringer gehört, kümmere ich mich um die Zubereitung der original amerkanischen Bratwürstchen. Ich brauche fast eine Stunde bis alles fertig gebraten ist. Allein schon vom Grillgeruch läuft Anita und Hartmuth das Wasser im Mund zusammen. Und dann geht es endlich los, genüsslich schlemmen wir alles auf. Nach dem Dinner heizen wir das Feuer nochmal mit einigen Holzscheiten an. Es entsteht eine Lagerfeuerromantik, wie man sie nur aus einem alten "Western" kennt. Unbeschreiblich.

room with a view

Ein letzter Blick, dann gehts in die Schlafsäcke.

Gute Nacht!

 

5. Mai 2008

Kurz nach 7.00 Uhr quäle ich mich aus dem "Bett". Der Rest ist mittlerweile reine Routine. In kürzester Zeit ist alles im Wagen verstaut und wir trinken zusammen noch einen Abschiedskaffee. Es ist der letzte gemeinsame in diesem Urlaub. Während Anita und Hartmuth noch über eine Woche in den Staaten verbringen werden, wartet auf mich morgen der Rückflug nach Deutschland.

Nach 2 liebevollen "Hug's" verabschieden wir uns voneinander.

auf der House Rock Valley Road

Auf der House Rock Valley Road lasse ich mich ein letztes mal von Harry einstauben. Obwohl wir beide das Ziel Las Vegas haben, fahren wir nicht im Konvoi. Die zwei planen einen längeren Stop bei Walmart in St. George, um eine neue Kamera zu kaufen. Später in Vegas wollen sie nur mal kurz in ihrem Storage vorbeischauen und anschließend fahren sie in den "Valley of Fire Statepark" zum Campen. 

Gegen 13.30 Uhr stehe ich in der Lobby des "Hard Rock Hotel". Leider kann ich noch nicht ins Zimmer, da die Check in Zeit 15.00 Uhr beträgt. Allerdings bekomme ich ein kostenloses Upgrade in eine Suite. Die Zeit bis dahin vertreibe ich mir mit einem Lunch im benachbarten "Hard Rock Café".

Living Room

Bedroom

Soviel Lebensraum ist man nach den vergangenen Tagen überhaupt nicht mehr gewohnt. Ich weiß garnicht wo ich mich zuerst hinsetzten soll, deshalb entscheide ich mich für ein Bad in der beengten Wanne.

Am späten Nachmittag zieht noch eine gewaltige Wolkenfront auf. Es bleibt aber trocken und sehr warm. Vor dem Abendessen schiebe ich noch 10$ in einen Automaten, plötzlich zählt er nach oben und stoppt bei 60$. Sofort lasse ich mir den Gewinncoupon ausdrucken und an der Kasse gegen "cash" auszahlen. Mit dem Geld in der Hand kann ich mich ja heute noch mal richtig satt essen.

Gute Nacht!

 

6.Mai 2008

Las-Den-Fra-Ham

Mal wieder sind die letzten Stunden im Zockerparadies angebrochen. Nach einem Frühstück bei "Starbucks" checke ich aus und fahre direkt zum Car-Rental-Return-Center, wo ich mich von meinem völlig eingestaubten Jeep verabschiede. 3 Stunden später sitze ich im Flugzeug gen Osten.

Hinter mir liegen fast 2 Wochen erholsames Abenteuer.

Thanx!!!

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Weggefährten bedanken. Es hat mir wieder riesigen Spaß gemacht, mit Euch vollkommen neue Wege zu entdecken. Mein besonderes Kompliment dabei gilt Anita für Ihr Organisationstalent.

Bis bald Marco.

 

 

 

 

 

 

"The Summer Joyride 2008"  coming soon...